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Unterarme trainieren: Die besten Übungen für starke Griffkraft

passau

Unterarme trainieren: warum sie nicht nur eine Nebensache sind

Ein Kunde hat mir letztes Jahr beim Umzug geholfen. Großer Kerl, breite Schultern, trainiert seit Jahren. Nach zwei Stunden Kisten schleppen musste er aufgeben, weil ihm schlicht die Griffkraft ausging. Ich habe weitergemacht. Nicht, weil ich stärker bin. Sondern weil ich seit vier Jahren konsequent meine Unterarme trainiere.

Und genau da liegt das Problem: Kaum jemand macht das. In fast jedem Studio sehe ich Bizepscurls, Bankdrücken, Kabelzüge. Was ich selten sehe, ist jemand, der gezielt seine Unterarme bearbeitet. Warum eigentlich?

Ehrlich gesagt verstehe ich es nicht ganz. Der Unterarm ist der Muskel, den Sie den ganzen Tag benutzen. Beim Einkaufstüten tragen, beim Türgriff drehen, beim Tippen auf der Tastatur, beim Klettern, beim Rudern, beim Griff um die Hantelstange. Wenn einer Muskelgruppe im Alltag eine Daseinsberechtigung zukommt, dann dieser.

Wichtige Erkenntnisse

  • Unterarme sind im Alltag fast permanent im Einsatz — und werden im Training trotzdem meist ignoriert.
  • Für mehr Umfang zählt Isolation: Handgelenkbeugung, -streckung, Pronation und Supination.
  • 2–3 Einheiten pro Woche reichen. Mehr ist nicht besser, sondern riskanter.
  • Ohne Geräte geht es auch — Handtuch, Wassereimer, Liegestütze mit Fingerspitzen.
  • Bei Sehnenschmerzen an der Ellenbogenaußenseite hilft Pause, nicht "durchziehen".

Ist es sinnvoll, die Unterarme zu trainieren?

Ja. Und zwar aus zwei Gründen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Der erste ist funktional. Ihre Griffkraft limitiert jede Zugübung. Klimmzüge, Kreuzheben, Rudern, Klettern — in allen diesen Bewegungen ist der Unterarm das schwächste Glied in der Kette. Wenn der Griff versagt, versagt die Wiederholung. Nicht der Rücken, nicht der Bizeps. Der Griff.

Der zweite Grund ist ästhetisch, und ich sage das ganz offen, weil es stimmt: Ein trainierter Unterarm fällt auf. Er ist der Teil des Arms, der im T-Shirt sichtbar bleibt, während der Bizeps verdeckt ist. Wer schon einmal jemanden mit ausgeprägten Unterarmmuskeln gesehen hat, weiß, was ich meine.

Was der Unterarm im Alltag leistet

Denken Sie an einen simplen Einkauf. Zwei volle Tüten, jeweils sechs, sieben Kilo, in den Händen. Nach zehn Minuten brennt der Unterarm. Nicht die Schulter, nicht der Nacken. Der Unterarm. Das ist der Muskel, der bei Trivialitäten versagt.

Und dann gibt es noch die Sache mit der Stabilität. Handgelenk, Ellbogen, Handwurzel — alles hängt zusammen. Ein kräftiger Unterarm stabilisiert das Handgelenk. Das merken Sie nicht beim Training. Das merken Sie, wenn Sie nicht trainieren.

Wie bekomme ich meine Unterarme dicker?

Zuerst die unbequeme Wahrheit: Die Dicke des Unterarms hängt zu einem guten Teil an Ihrer Anatomie. Unterarmmuskeln sind stark von der Genetik geprägt. Wer lange Unterarme und dünne Knochen hat, wird nie die Optik eines Schwergewichts-Ringers erreichen.

Wie bekomme ich meine Unterarme dicker?

Was Sie aber steuern können, ist die Muskelmasse, die auf diesen Knochen sitzt. Und dafür gilt — anders als bei den meisten anderen Muskelgruppen — dass direkte Isolation hier tatsächlich einen Unterschied macht.

Der entscheidende Unterschied: Isolation statt nur Verbundübungen

Bei Verbundübungen wie Kreuzheben, Klimmzügen oder Rudern arbeiten die Unterarme mit. Keine Frage. Aber sie arbeiten isometrisch — sie halten etwas fest. Isometrische Belastung baut weniger Muskelmasse auf als dynamische Bewegung über einen vollen Bewegungsumfang.

Wer seine Unterarme wirklich dicker haben will, braucht deshalb die vier Bewegungsrichtungen:

  • Handgelenkbeugung (Palmarflexion) — trainiert die Innenseite des Unterarms
  • Handgelenkstreckung (Dorsalflexion) — der oft vergessene Gegenspieler
  • Pronation (Handrücken nach oben drehen gegen Widerstand)
  • Supination (Handfläche nach oben drehen gegen Widerstand)

Achten Sie auf die unterschiedliche Länge der Punkte — das ist Absicht. Die beiden ersten sind die volumenbringenden Übungen, die beiden letzten sind Feinarbeit für Stabilität und Umfang.

Volumen, Wiederholungen, Zeit unter Spannung

Meine Erfahrung nach vier Jahren: Der Unterarm reagiert auf moderate bis hohe Wiederholungen. 12 bis 20 Wiederholungen pro Satz, drei Sätze, zwei bis drei Übungen pro Einheit. Zeit unter Spannung pro Satz: 30 bis 45 Sekunden. Nicht weniger.

Was ich am Anfang falsch gemacht habe, war zu schwer zu gehen. Zu viel Gewicht, zu wenig Bewegungsumfang — der Unterarm wird davon nicht größer, er wird stärker in einer einzigen Position. Das ist eine andere Anpassung.

Ein Satz mit 15 kontrollierten Wiederholungen und einer Sekunde Pause oben bringt mehr als fünf Sätze mit halber Bewegung und maximalem Gewicht.

Wie stärkt man seine Unterarme?

Für Kraft — nicht Umfang, sondern Kraft — sieht das Programm anders aus. Hier geht es um progressive Überlastung und umfassende Bewegung.

Ein 6-Wochen-Plan als Beispiel

Ich habe diesen Rahmen für mich entwickelt und mehrfach angepasst. Er ist nichts Besonderes, aber er funktioniert, weil er Fortschritt erzwingt:

Woche Frequenz Übung 1 Übung 2
1–2 2× pro Woche Handgelenkbeugung, 3×12–15 Handgelenkstreckung, 2×15
3–4 2–3× pro Woche Beugung, 3×15 mit +2 kg Farmer's Walk, 3×30 m
5–6 3× pro Woche Beugung, 3×15 mit +4 kg Supination mit Kurzhantel, 3×12

Die Tabelle zeigt etwas, das in den meisten Anleitungen fehlt: eine schrittweise Erhöhung der Last. Ohne das bleibt der Unterarm, wo er ist. Ich habe in diesen sechs Wochen mein Arbeitsgewicht bei der Beugung von 8 auf 14 Kilo gesteigert. Bei 1,78 m Körpergröße und 76 Kilo Gewicht ist das für mich eine relevante Zahl.

Warum zu viel Training hier nach hinten losgeht

Der Unterarm ist eine Region mit vielen Sehnen. Sehnen brauchen länger zur Anpassung als Muskeln. Wenn Sie drei Mal pro Woche mit schweren Lasten auf den Unterarm gehen, produziert das schnell eine Reizung an der Ansatzstelle am Ellbogen. Das ist eine der häufigsten Beschwerden bei Kletterern und Ruderern.

Mein erster Anlauf vor ein paar Jahren war genau das: täglich Handgelenkcurls, weil ich dachte, mehr sei besser. Nach sechs Wochen hatte ich Schmerzen beim Öffnen einer Wasserflasche. Nicht erstrebenswert.

Wie trainiert man Unterarme ohne Geräte?

Der Unterarm ist eine der wenigen Muskelgruppen, bei der Sie fast nichts brauchen. Der Widerstand, den Sie im Alltag produzieren, ist groß genug, wenn Sie ihn richtig einsetzen.

Vier Übungen, die ohne Ausrüstung funktionieren

Handtuch-Auswringen: Nehmen Sie ein Handtuch, tauchen Sie es ins Wasser, wringen Sie es aus. So lange, bis nichts mehr herauskommt. Klingt albern, ist es auch. Funktioniert trotzdem — weil der Widerstand über den gesamten Bewegungsumfang anliegt.

Wassereimer-Heben: Ein Eimer mit Wasser, ein Griff, und Sie machen genau die Bewegung der Handgelenkbeugung. Sie können die Wassermenge als Gewichtsscheibe nutzen. Simpler geht es nicht.

Liegestütze mit Fingerspitzen: Diese Variante habe ich monatelang gemacht, weil ich dachte, sie wäre besonders clever. Sie belastet die Handgelenke extrem und ist deshalb nicht für jeden geeignet. Wer Handgelenksprobleme hat, sollte sie meiden. Wenn sie funktionieren, trainieren sie Griffkraft und Stabilität gleichzeitig.

Klimmzüge an der Stange — so lange wie möglich hängen: Einfach hängen. So lange, bis die Finger versagen. Das ist Griffkraft pur. Ich habe damit angefangen, als ich 20 Sekunden schaffte. Heute sind es über eine Minute.

Für Frauen und für zu Hause

Die Übungen sind geschlechtsunabhängig. Was sich unterscheidet, ist die typische Ausgangslage. Frauen haben im Schnitt weniger fettfreie Masse im Unterarm als Männer — die Kraftwerte sind entsprechend niedriger. Das ist kein Nachteil, sondern nur der Ausgangspunkt. Der Trainingsreiz ist derselbe, die Gewichte sind anders.

Für zu Hause reicht ein Satz Kurzhanteln, wenn überhaupt. Der Wassereimer ist ein völlig legitimes Trainingsgerät. Ich habe zwei Monate lang mit Konservendosen trainiert, als ich im Ausland ohne Zugang zu einem Studio war. Der Reiz war ausreichend, um die Griffkraft zu halten, aber nicht, um sie auszubauen.

Welche Geräte im Gym sinnvoll sind

Im Studio gibt es drei Kategorien von Ausrüstung, die für den Unterarm relevant sind.

Erstens: die Langhantel. Sie ist das universellste Werkzeug. Handgelenkcurls mit der Stange auf einer Bank sitzend — die klassische Übung. Nicht kreativ, aber effektiv.

Zweitens: Kurzhanteln. Besser als die Stange, weil sie eine unabhängige Bewegung pro Seite erlauben. Für Supination und Pronation sind sie die erste Wahl.

Drittens: die Farmer's-Walk-Griffstücke, sofern Ihr Studio sie hat. Zwei schwere Gewichte, ein Stück gehen, absetzen. Das ist die Übung, die am nächsten an echter Alltagsbelastung ist.

Ein Gerät, das ich nicht empfehle: die geführten Handgelenkmaschinen mit fixiertem Bewegungspfad. Der Unterarm ist eine Region mit unterschiedlichen Bewegungsachsen. Ein fixierter Pfad trainiert nur eine davon.

Vorsicht bei Schmerzen

Die häufigste Verletzung im Zusammenhang mit Unterarmtraining ist die Reizung der Sehnenansätze am Ellbogen. Bekannt als Tennisellenbogen oder Golferellenbogen, je nachdem, welche Seite betroffen ist.

Meine Regel: Wenn beim Training ein stechender Schmerz an der Innenseite oder Außenseite des Ellbogens auftritt, brechen Sie den Satz ab. Nicht durchbeißen. Eine Sehnenreizung braucht Wochen, um abzuheilen, und jedes Training darin verlängert die Zeit.

Was hilft: Pause für 1–2 Wochen, dann Wiedereinstieg mit deutlich reduziertem Gewicht. Wenn der Schmerz bleibt, ab zum Arzt. Ich habe mir vor zwei Jahren wegen einer nicht auskurierten Entzündung drei Monate Trainingspause eingefangen. Rückblickend war das die dümmste Entscheidung des Jahres.

Warm machen vor dem Unterarmtraining ist nicht optional. Zwei Minuten Handgelenkkreisen, ein paar lockere Sätze mit leichtem Gewicht — das reduziert das Risiko erheblich.

Was am Ende bleibt

Der Unterarm ist kein Prestigemuskel. Er wird nicht auf Instagram in Pose gesetzt, er hat keine eigene Disziplin bei Wettkämpfen. Aber er ist der Muskel, der entscheidet, ob Sie den Umzugskarton noch die Treppe hochbekommen. Ob Sie die Kiste vom Boden heben können, ohne sie zweimal abzusetzen.

Und ganz ehrlich: Wenn ich sehe, wie jemand fünf Minuten lang eine schwere Tasche durch die Gegend trägt und dann die Hand wechseln muss, weiß ich meistens, wie sein Trainingsplan aussieht. Das ist vielleicht unfair. Aber es ist ehrlich.

Fangen Sie mit zwei Einheiten pro Woche an. Kurzhanteln, Handgelenkcurls, Farmer's Walk. Sechs Wochen durchhalten. Danach reden wir weiter.

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Jana Becker

Jana Becker

Jana Becker ist Journalistin mit mehr als acht Jahren Berufserfahrung, die zu den Themen Finanzen, Immobilien, Mode und Geschäftsstrategie berichtet.

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